Mittwoch, 22. März 2017

Mädchen aus Papier (Sina Flammang)



Titel: Mädchen aus Papier
Autor: Sina Flammang
Preis: € 16,99 [D]
Einband: gebunden
Seitenanzahl: 352
Verlag: cbt
Reihe: -
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Meine Wertung: 4,5 Herzchen
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Inhalt 
Mari ist drei, als ihre Schwester in einem Kaufhaus spurlos verschwindet. Seit Mari sich erinnern kann, schwebt der Schatten der verlorenen Tochter über der Familie und lässt die Verschwundene beinahe realer scheinen als sie selbst. Als Annika nach zwölf Jahren wie aus dem Nichts wieder auftaucht, sind alle überfordert von diesem Geistermädchen, das verschlossen, unzugänglich und geheimnisvoll ist. Während die Eltern krampfhaft heile Welt spielen, fühlt Mari sich mehr und mehr verdrängt. Bis ihr irgendwann nichts anderes übrig bleibt, als selbst zu verschwinden. Zusammen mit ihren Freunden Clementine und Ole macht sie sich auf einen irrwitzigen Trip nach Italien – um am Ende doch zurückzufinden.

Meine Meinung 
Ich hatte viele Erwartungen an dieses Buch und da ich noch nie eines gelesen hatte, dass die Thematik »Schwestern« behandelt, war ich sehr gespannt darauf. Das Cover ist einfach nur wunderschön und zeigt dieses verschwinden, nicht da Sein und nicht Existieren, was im Buch immer wieder thematisiert wird, auf visuelle Art.
Man lernt die Protagonistin über Metaphern kennen, über bildliche Sprache, über Erinnerungen und Gefühle, die sehr intensiv beschrieben werden. Mari ist eine wunderbare Person und so lebensecht, wie man eine Fünfzehnjährige nur beschreiben kann. Sie macht im Verlaufe des Buches eine wahnsinnige Entwicklung durch: sie wird von dem durchsichtigen Mädchen zu einem leuchtenden Gemälde. Auch Clementine ihre beste Freundin war ein schillernder Charakter. Sie ist loyal und gutherzig und stur und einfach nur herrlich. Ich habe sie genau wie Mari in mein Herz geschlossen. Aber auch die anderen Personen in Maris Leben, wie ihre überfürsorglichen aber auch verschlossenen Eltern, Niklas, Heiko und die stille Annika waren durch kleine spezifische Merkmale sehr lebendig. Ole, den Mari neu kennenlernt, ist ein Junge voller Wut und Hoffnung und Enttäuschung und bildet einen starken Kontrast zu Clementine, sodass das ungleiche Trio sehr unterhaltsam war.
Es geht nicht primär um die Reise nach Italien, sondern um das Zusammenflicken einer Familie als das verschwunden Kind- Annika- nach zwölf Jahren wieder auftaucht. Der Versuch dort weiterzumachen,  die Schwierigkeit mit der Vergangenheit abzuschließen und das Warum. Ob man die Zeit wieder zurückdrehen kann und was Schuld überhaupt ist. Aber es geht auch um psychische Krankheiten, wie Depressionen, Magersucht und Paranoia.
Das, was besonders hervorzuheben ist, ist der Schreibstil der Autorin. Zu Beginn jedes Kapitels, die nicht sehr lang sind, ist ein kleiner Schnipsel von Maris Gedanken. Wie schon erwähnt ist die Sprache am Anfang konzentriert auf ein Gefühl und je weiter man liest desto mehr entfaltet sich die Handlung in die die Gefühle eigebettet werden. Die Beschreibungen der Autorin lassen einen als Leser Maris Leben schmecken und man versteht ihre Ängste, ihre Wut, ihre Wünsche.
Ich hätte mir vor allem am Ende einen roten Faden, sowie einen richtigen »Höhepunkt« gewünscht, jedoch zum Schluss alles schön Rund, weshalb ich darüber leicht hinwegsehen kann.

Fazit
Ein wunderschönes Buch über das Leben und einen Neuanfang.
4,5 / 5 Herzchen


Vielen Dank an den cbt-Verlag für die Zusendung dieses Rezensionsexemplars!

Kommentare:

  1. Ich finde das Buch klingt wirklich interessant, auch wenn der Klappentext vermutlich zu viel verrät oder? Deine Rezension stimmt mich positiv, wobei es mich stören würde, wenn es keien echten Spannungshöhepunkt gibt.

    LG Piglet ♥

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    1. Ich habe durch den Klappentext mit etwas ganz anderem gerechnet, also der verrät nicht wirklich etwas. :)

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  2. Hallo Elli,
    ich kann mir hier direkt vorstellen, was für ein Druck auf Mari lastet, die immer hinter der verschwundenen Schwester zurückbleibt. Dass sie aus diesem Leben flieht ist eine logische Konsequenz. Für mich klingt diese Geschichte in Kombination mit dem Cover und Klappentext ein wenig düster/traurig. Wird die Thematik durch den Schreibstil aufgelockert?

    Ganz liebe Grüße
    Tanja :o)

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    1. Der Schreibstil ist zwar sehr bildlich und zeigt einem, wie die Situation für die Protagonistin ist, jedoch gibt es verschiedene Komponenten (wie z.B. Clementine, Maris nächtliche Ausflüge, die Selbsthilfegruppe), die alles etwas "auflockern". Es ist kein Buch, das leicht ist, aber es ist auch nicht so schwer, dass es einen runterziehen würde, vor allem, da auch Maris Selbstfindungsprozess im Fokus steht. :)

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